Praxisgründung
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10. November 2025
Lesezeit: 6 min

Praxisübernahme oder Neugründung – Vor- und Nachteile im Vergleich

Praxisübernahme oder Neugründung? Lernen Sie Vor- und Nachteile beider Wege kennen – inkl. Kosten, Risiko und Patientenstamm – für eine fundierte Entscheidung.

Dávid Szandtner
Dávid Szandtner
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Praxisübernahme oder Neugründung – Vor- und Nachteile im Vergleich

Praxisübernahme oder Neugründung? Diese Frage stellen sich viele Ärzte, die den Schritt in die eigene Praxis wagen möchten. Beide Wege in die ärztliche Selbstständigkeit bieten Vor- und Nachteile. Im Folgenden erhalten Sie einen klaren Vergleich, der Ihre Entscheidungsfindung erleichtert.

Ist es besser, eine Praxis zu gründen oder zu übernehmen?

Pauschal lässt sich nicht sagen, ob es besser ist, eine Praxis zu gründen oder zu übernehmen – es kommt auf Ihre individuelle Situation an. Die Mehrheit der Ärzte entscheidet sich allerdings für eine Praxisübernahme, da diese oft mit einem bestehenden Patientenstamm und geringeren Anfangsrisiken einhergeht. Eine Praxisneugründung bietet dafür maximale Gestaltungsfreiheit, erfordert jedoch mehr Geduld und hat anfänglich ein höheres unternehmerisches Risiko. Wichtig ist, die eigenen Ziele, Finanzen und Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, bevor Sie Ihre Wahl treffen.

Welche Vor- und Nachteile hat eine Praxisübernahme gegenüber einer Neugründung?

Vorteile einer Praxisübernahme

  • Vorhandener Patientenstamm und Umsatz: Sie übernehmen eine etablierte Praxis mit festen Patienten, sodass von Anfang an Einnahmen fließen. Der Aufwand für Praxismarketing und Patientengewinnung zum Start ist deutlich geringer.
  • Eingespieltes Praxisteam und Abläufe: In der Regel können Sie das erfahrene Personal und bewährte Praxisabläufe übernehmen. Dadurch sparen Sie Zeit bei der Einarbeitung und profitieren von routinierten Prozessen ab dem ersten Tag.
  • Planungssicherheit und geringeres Risiko: Durch die bekannten betriebswirtschaftlichen Zahlen der Vorjahre lassen sich Einnahmen und Kosten gut prognostizieren. Banken bewerten eine Übernahme daher häufig als weniger riskant, was die Kreditfinanzierung erleichtert.
  • Bestehende Infrastruktur und Kassenzulassung: Sie erhalten eine voll ausgestattete Praxis an einem etablierten Standort. Falls es sich um eine Kassenarztpraxis handelt, geht der begehrte KV-Sitz (Zulassung) in der Regel mit über – ein großer Vorteil in gesperrten Planungsgebieten.

Nachteile einer Praxisübernahme

  • Hohe Anschaffungskosten: Der Kaufpreis für eine gut etablierte Praxis ist oft hoch, da Sie neben Inventar auch für den Goodwill (immateriellen Wert des Patientenstamms, Lage etc.) zahlen. Dies bedeutet eine größere Anfangsinvestition und finanzielle Belastung zu Beginn.
  • Weniger Gestaltungsfreiheit: Die übernommenen Räumlichkeiten, Geräte und Verträge schränken Ihre Freiheiten zunächst ein. Umbaumaßnahmen oder Modernisierungen, um die Praxis nach den eigenen Vorstellungen anzupassen, können zeitaufwändig und nervenaufreibend sein.
  • Mögliche Altlasten: Sie treten in bestehende Verträge (Miete, Leasing, Personal) ein, die eventuell nicht optimal sind. Zudem übernehmen Sie die Praxis mit ihrem bestehenden Ruf und einer gewachsenen Praxiskultur, die sich nur behutsam verändern lässt.
  • Renovierungs- oder Investitionsbedarf: Nicht immer ist die übernommene Ausstattung auf dem neuesten Stand. Zusätzliche Investitionen für neue Geräte oder Renovierungen können erforderlich sein, was weitere Kosten und Aufwand bedeutet.

Vorteile einer Praxisneugründung

  • Freie Gestaltung von Standort und Konzept: Sie wählen frei den Standort Ihrer neuen Praxis und gestalten Räume, Ausstattung und Praxisorganisation genau nach Ihren Vorstellungen. Diese maximale Gestaltungsfreiheit erlaubt es Ihnen, ein persönliches Praxiskonzept von Grund auf umzusetzen.
  • Moderne Ausstattung von Anfang an: Bei einer Neugründung statten Sie die Praxis direkt mit modernster Medizintechnik und IT aus. Effiziente Abläufe und aktuelle Standards sind sofort implementierbar, ohne Altgeräte ersetzen zu müssen.
  • Eigenes Team aufbauen: Sie stellen Ihr Personal selbst ein und formen Ihr eigenes Praxisteam, das Ihre Philosophie teilt. So entsteht von Beginn an eine gewünschte Praxiskultur, und Sie sind nicht an bestehende Strukturen gebunden.
  • Keine Altlasten oder Bindungen: Da Sie bei Null starten, gibt es keine übernommenen Altverbindlichkeiten oder ungünstigen Verträge. Sie verhandeln Mietvertrag, Finanzierung, Versicherungen etc. neu und optimiert für Ihre Bedürfnisse.

Nachteile einer Praxisneugründung

  • Kein vorhandener Patientenstamm: Sie müssen erst mühsam einen eigenen Patientenstamm aufbauen. In den ersten Monaten oder Jahren haben Sie deshalb unter Umständen nur geringe Patientenzahlen und Einnahmen. Intensives Praxismarketing, Empfehlungssysteme und Zeit sind nötig, bis Ihre neue Praxis genügend bekannt ist.
  • Hoher Planungsaufwand und Zeitbedarf: Eine Neugründung erfordert umfangreiche Planung. Von der Standortanalyse über Finanzierung bis zur Einrichtung müssen Sie alles selbst konzipieren. Dieser Prozess ist zeitaufwändig und verlangt organisatorisches Talent.
  • Finanzielles Risiko in der Anfangsphase: Durch hohe Anfangsinvestitionen (Praxisausstattung, Miete, Technik) bei gleichzeitig fehlenden laufenden Einnahmen ist das finanzielle Risiko in der Anfangszeit deutlich höher. Es dauert oft einige Zeit, bis die Praxis kostendeckend arbeitet.
  • Herausforderung Personalgewinnung: Als neue/r Praxisinhaber/in müssen Sie geeignete Mitarbeiter finden und einarbeiten. Etablierte Praxen sind für Bewerber oft attraktiver; Sie konkurrieren um Fachkräfte, ohne bereits einen Ruf als Arbeitgeber zu haben.

Was ist günstiger: Praxis kaufen oder neu gründen?

Ein wichtiger Faktor ist der Kostenvergleich. Durchschnittlich erfordert der Kauf einer bestehenden Praxis einen höheren Gesamteinsatz als die Neugründung. Denn im Kaufpreis einer Praxis stecken nicht nur Einrichtung und Geräte, sondern auch der immaterielle Wert (Patientenstamm, Lage, guter Ruf) – dieser Goodwill lässt Übernahmekosten oft über den reinen Sachwerten liegen. Eine Neugründung ist auf den ersten Blick häufig günstiger, da Sie hier hauptsächlich für Räumlichkeiten, neue Ausstattung und Betriebsmittel aufkommen. Doch bedenken Sie: Bei der Neugründung tragen Sie anfangs auch die Anlaufverluste, weil die Einnahmen erst wachsen müssen.

Finanziell vorteilhaft bei der Übernahme ist, dass Sie in aller Regel vom ersten Tag an Umsätze generieren und so Kredite schneller bedienen können. Banken gewähren für Übernahmen aufgrund der bestehenden Umsatzhistorie oft leichter Kredite und zu besseren Konditionen. Hingegen müssen Existenzgründer bei neuen Praxen nicht nur mehr Überzeugungsarbeit bei Geldgebern leisten, sondern oft auch auf finanzielle Reserven für die Anfangszeit zurückgreifen.

Fazit: Pauschal lässt sich nicht sagen, was günstiger ist – Praxisübernahme oder Neugründung hängen kostenmäßig stark vom Einzelfall ab. Vergleichen Sie daher stets konkrete Angebote: Wie hoch ist der Kaufpreis einer bestimmten Praxis und welcher Umsatz steht dem gegenüber? Welche Investitionen erfordert eine Neugründung in Ihrer gewünschten Fachrichtung und Lage? Oft hilft eine betriebswirtschaftliche Beratung oder ein Gutachten, die finanziellen Aspekte beider Alternativen objektiv zu bewerten.

Fazit: Praxisübernahme oder Neugründung – wie entscheiden?

Ob Praxisübernahme oder Neugründung, beide Wege führen zum Ziel einer eigenen Praxis, unterscheiden sich aber deutlich in Chancen und Risiken. Eine Übernahme punktet mit Sicherheit, bestehendem Patientenstamm und sofortigen Einnahmen, verlangt jedoch einen höheren Kaufpreis und Anpassungsfähigkeit an Bestehendes. Die Neugründung bietet maximale Freiheit und modernste Umsetzung, bringt aber Unsicherheiten und erfordert Ausdauer, bis sich der Erfolg einstellt.

Überlegen Sie, welcher Weg besser zu Ihren Zielen passt: Liegt Ihnen ein bestehendes System mit vorhandenem Patientenstamm, oder möchten Sie lieber Ihre eigene Praxis von Grund auf nach Ihren Vorstellungen gestalten? Ziehen Sie für diese wichtige Entscheidung ruhig Experten hinzu – beispielsweise Gründungsberater, Steuerberater oder die Kassenärztliche Vereinigung – und erstellen Sie einen soliden Businessplan. So erhalten Sie Klarheit über Finanzierung, Rentabilität und organisatorische Herausforderungen.

Handlungsaufforderung: Treffen Sie Ihre Entscheidung mit Bedacht und planen Sie sorgfältig die nächsten Schritte. Egal ob Sie eine Praxis übernehmen oder neu gründen – mit guter Vorbereitung, fachkundiger Beratung und unternehmerischem Engagement steht Ihrem erfolgreichen Start als niedergelassener Arzt nichts im Wege!

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